| Bericht | Erneuerbare Energien sind wirtschaftliche Chance für die Energieregion Lausitz – Braunkohle nur noch Auslaufmodel |
| Mittwoch, den 16. November 2011 um 00:00 Uhr |
|
Im sorbischen Kulturzentrum in Schleife diskutierten auf Einladung der Grünen-Bundestagsfraktion Bürger und Experten über die Energiewende und sprachen sich gegen die geplante Abbaggerung weiterer Ortschaften für die Erweiterung des Tagebaus Nochten aus. Der große Saal war gestern Abend gut gefüllt, rund 50 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung zur Veranstaltung der Grünen Bundestagsfraktion mit dem etwas provokanten Titel „Zukunft ohne Braunkohle“ gefolgt. „Wir sind überzeugt, die Braunkohle ist ein Auslaufmodell für die Lausitz. Braunkohle ist weder eine ‚Brückentechnologie‘, noch ein Partner der Erneuerbaren Energien. Wenn EU-weit ab 2013 mit dem CO2-Emissionshandel sogenannte Verschmutzungsrechte am Markt erworben werden müssen, um klimaschädliche Gas in die Luft pusten zu können, wird die Braunkohle nach und nach ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren.“ Mit diesen Worten leitete Stephan Kühn, sächsischer Bundestagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen, die Diskussion ein und fügte hinzu: „Ein Sprichwort der Indianer lautet: Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.“ Dass die Erneuerbaren Energien eine Chancen gerade für kommunale Haushalte sein können, zeigte der präsentierte Dokumentarfilm „Neue Energie der Bürgerhand“. Durch die konsequente Umstellung auf erneuerbare Strom- und Wärmeversorgung konnte bspw. die sächsische Gemeinde Zschadraß (Colditz) deutlich Energiekosten sparen und zusätzliche Einnahmen erzielen (Pachten, Gewerbesteuer). Ein Modell auch für Kommunen in der Lausitz, waren sich die Experten auf dem Podium einig. Schließlich fließen vom größten Steuerzahler in der Region weniger Gelder in die Gemeindekassen, weil Vattenfall sinkende Erträge aus den Atomkraftwerken mit den Gewinnen aus der Kohleverstromung verrechnet. Christoph Markl-Meider vom Windenergie-Unternehmen OSTWIND verwies in diesem Zusammenhang auf errichtete Windkraftanlagen auf Braunkohle-Folgelandschaften, von denen die Kommunen monetär profitieren. Die Erneuerbaren Energien hinterlassen keine Mondlandschaften, die mit Milliardenaufwand wieder rekultiviert werden müssen. Die Rutschungen in jüngster Vergangenheit haben gezeigt, dass Ewigkeitskosten bleiben, die kein Unternehmen trägt, sondern die Steuerzahler. Auf die aktuelle von Vattenfall beauftragte Prognos-Studie zu den Arbeitsplatzeffekten der Braunkohle angesprochen, entgegnete Jan Schubert, dass längst die Erneuerbaren Energien in Sachsen und Brandenburg mehr Beschäftigung als die Braunkohle bieten – Tendenz steigend. Der Absolvent der Technischen Universität Dresden beschäftigt sich mit Erfolgsfaktoren energieautonomer Kommunen.Viele betroffene Bürger sprachen die drohende Abbaggerung der Orte Rohne, Mulkwitz, Mühlrose und Teilen des Dorfes Schleife durch die geplante Erweiterung des Tagebaus Nochten an. Von den Plänen, sorbisches Siedlungsgebiet der Braunkohle zu opfern, sind etwa 1500 Menschen betroffen. Seit 7. November liegen die Unterlagen zum Braunkohleplan aus. Einwendungen können noch bis Januar 2012 eingereicht werden. Mit einer Entscheidung über die Genehmigung wird im Frühjahr 2013 gerechnet. Thomas Burchardt vom Brandenburger ‚Bündnis Heimat und Zukunft‘ kritisierte die Pläne scharf und sagte den Betroffenen Unterstützung zu: „Für die Erschließung weiterer Tagebaufelder besteht keinerlei Erfordernis, die Vorräte der erschlossenen Tagebaue reichen noch bis 2035. Bis dahin hat sich die industrielle Monokultur Braunkohle erledigt.“ Stattdessen sollten endlich die Chancen aus der beschlossenen Energiewende für den Strukturwandel der Lausitz genutzt werden. Anstatt den Braunkohleabbau weiter zu subventionieren, in dem auf die Erhebung einer Förderabgabe gemäß Berggesetz verzichtet wird, sollte der Freistaat Sachsen stattdessen mit dem Geld einen Zukunftsfonds auflegen, schlug zum Abschluss der Veranstaltung Stephan Kühn vor. Über den Fonds könnte die Etablierung von Zukunftsbranchen für die Lausitz (Umwelttechnologien, Tourismus/Kultur, Landwirtschaft…) entscheidend unterstützt werden. |
News filtern nach:
Themen
- Alle (66)
- GRÜNER Verkehr (25)
- Meine Newsletter (9)
- Allgemeines (18)
Jahresarchiv
Themenarchiv
- GRÜNE Baupolitik (4)
- GRÜNER Haushalt (4)

